4/5/1 | Programmlinien / Konstruktionen des Subjekts /Arthur Koestler

Arthur Koestler

Biographien über Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie andere in der Öffentlichkeit stehende Intellektuelle befördern das Verständnis darüber, wie kulturelle Errungenschaften beurteilt, erzählt und instrumentalisiert werden. Über eine Person und ihre Auseinandersetzung mit zentralen Fragestellungen zu lesen, vermag das allgemeine Verständnis des Lesers für Geschichte, Politik oder Kultur zu begünstigen. Ein Leben, das viel Raum für Reflexionen solcher Art und darüber hinaus bietet, ist das von Arthur Koestler (1905-1983). Danilo Kiš schrieb über dessen Leben, es sei „die mögliche Biographie eines jeden mitteleuropäischen Intellektuellen – in seiner radikalen Realisierung.“

Koestler kam in Budapest als Sohn jüdischer Eltern zur Welt und starb in London. Er machte sich als Journalist und Autor fiktionaler sowie nicht-fiktionaler Texte einen Namen. 1926 emigrierte Koestler von Österreich nach Palästina, später war er in Paris und Berlin als Journalist tätig. Er bereiste die Sowjetunion und wurde während des Spanischen Bürgerkrieges inhaftiert. Zu den weiteren Lebensstationen zählten außerdem Frankreich, die USA und Großbritannien. Koestlers Leben sei ein Spiegelbild des 20. Jahrhunderts, wird manchmal gesagt: vom Zionisten wandelte er sich zum Kommunisten und schließlich zum Antikommunisten.

Auch abseits seiner politischen Einstellung war Koestlers Leben von Kontroversen geprägt. Er interessierte sich für Übersinnliches und schloss mit seiner dritten Frau einen Selbstmordpakt. Nach seinem Tod wurden Vergewaltigungsvorwürfe laut, die sich auch auf die Rezeption seiner politischen und fiktionalen Schriften niedereschlugen. Mehrere Koestler-Biographien sind seit seinem Ableben entstanden, dabei divergierte jeweils die Einschätzung der Autoren zu ihrem Subjekt und distanzierte sich in Folge auch von der Art und Weise, wie Koestler sich selbst in seinen autobiographischen Schriften dargestellt hatte.

Eine aus diesem Projekt resultierende Monographie erscheint 2017 bei Reaktion Books.

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